„Auf Wahrheit bauen Kinder ihre Welt der Fantasie.“

Kinder und Trauer

S‘ Grosi ist ganz plötzlich auf eine lange Reise gegangen. „Dabei wollten wir doch in den Schulferien zusammen in den Zoo gehen“, wundert sich Lukas. „Wieso hat mir s‘ Grosi nichts von dieser Reise erzählt? Und warum sind meine Eltern so komisch?“
Oft versuchen Eltern, ihre Kinder vom Tod und der Trauer fernzuhalten. „Sie begreifen ja doch nicht“, denken viele. „Warum sie unnötig belasten?“ Das Problem dabei ist: Kinder deuten, fühlen und handeln nicht wie Erwachsene. Sie spüren meist instinktiv, dass etwas nicht stimmt. Es wird angeregt telefoniert, die Mama weint heimlich.
Irgendwie ist eben alles anders als sonst. Und so beginnen sie, ihre eigenen Überlegungen anzustellen, was wohl passiert sein könnte. Ob sie selbst der Grund dafür sein könnten. Meist erfahren sie früher oder später von anderen, dass s‘ Grosi nicht verreist, sondern gestorben ist, und fühlen sich hintergangen. Im schlimmsten Fall ziehen Kinder daraus den Schluss, dass man Gefühle nicht zeigen soll und dass man sogar den Eltern nicht immer vertrauen darf. Deshalb ist es so wichtig, Kindern die Trauer nicht zu verheimlichen, sondern mit ihnen gemeinsam einen tröstlichen Weg des Trauerns und Erinnerns zu finden.

Kinder trauern anders

Im Gegensatz zu Erwachsenen haben Kinder meist einen natürlichen Zugang zum Tod. Weder verdrängen noch dämonisieren sie ihn. Ohne ganz zu begreifen, gehört er für sie zum Leben dazu. Vielleicht trauern sie deshalb auch anders als wir. Kinder können in einem Moment hemmungslos weinen und kurz darauf schon wieder lachen. Sie haben noch keine Scheu, ihre jeweiligen Gefühle offen zu zeigen. Sie entwickeln erstaunlich phantasievolle Wege, Trauer zu verarbeiten.
Wir Erwachsene sollten sie darin bestärken und stützen. Trauernde Kinder brauchen nicht kurzfristige Ablenkungen oder gut gemeinte Trost-Geschenke. Sondern intensive Gesprächsbereitschaft der Eltern. Insbesondere bei kleinen Kindern ist auf die Wahl der Worte zu achten. Missverständliche Begriffe wie „entschlafen“ sind zu vermeiden. Kinder können dadurch Angst vor dem Einschlafen bekommen.

Ich möchte auf meinem Lieblingsberg weilen.

Ich möchte mich zu Füssen eines Baumes betten.

Ich möchte mich im Wasser auflösen.

Ich möchte anonym bleiben.

Ich möchte der Erde gehören.

Ich möchte zu Hause sein.

Ich möchte zurück zur Natur.

Ich möchte in meinem Garten ruhen.

Ich möchte im Gemeinschaftsgrab beigesetzt werden.

Ich möchte als Gedenk-Skulptur bei meinen Lieben sein.

Wir möchten zusammenbleiben.